64HDD, eine Alternative zur 1541 und mehr

Allgemeines zur 64HDD

64HDD ist eine Software, die im gewissen Umfang eine Commodore Floppy, wie etwa die 1541, emuliert. Eine Grundversion, die eigentlich keine Wünsche offen lässt, ist dabei frei erhältlich, die Professional Version, die unter anderem weitere Features und eine GUI beinhaltet, ist hingegen kostenpflichtig. Installiert wird die Software auf einem x86-kompatiblem System. Für den Basisbetrieb ist lediglich ein X1514/XE1514 Kabel nötig.
Nachteil dieser Lösung sind der zwingende Betrieb unter DOS. Dies ist jedoch nötig, da die Software schnell genug auf Signale am Parallelport reagieren muss, was bei einem Multitasking-Betriebssystem nicht immer gewährleistet ist, ausser unter Verwendung von Interrupts. Netzwerk und somit einfacher Filetransfer sind unter DOS leider schwierig zu realisieren. Die Emulation findet nur auf Protokoll- und CBM-DOS Ebene statt, der 6502 selbst wird jedoch nicht emuliert. Fastloader wie man sie bisher gewohnt ist funktionieren also nicht, was aber aufgrund von Features wie Pwrload nicht wirklich schmerzlich ist.
Über diese wenigen Nachteile sieht man ohnehin schnell hinweg, denn eine Vielzahl an neuen Bequemlichkeiten lassen einem die 64HDD schnell ans Herz wachsen. Das CBM-DOS ist um etliche Funktionen erweitert, so werden Partitionen und auch das mounten Disk- und Tapeimages, wie von .D64, D81, T64, usw. unterstützt. Das Wechseln von Verzeichnissen ist spielend einfach und gibt einem die Möglichkeit auf dem nun doch etwas grösserem Medium Ordnung zu halten. Auch das FAT16/32 Dateisystem kann angesprochen werden, als wäre es eine gewöhnliche 5,25" Diskette. Die LFN-Unterstützung (Download wird auf der 64HDD Seite angeboten) sollte hierzu jedoch installiert sein, da sonst nur 8.3 Dateinamen möglich sind.
Mit einem erweiterten X1541-Kabel, das zusätzlich mit dem Userport des C64 verbunden wird, lassen sich Dateien auch parallel zum C64 übertragen. Dieses Feature wird Pwrload genannt, wie der Name bereits verrät ist es aber bisher nur für das Laden vorgesehen. Die dazu benötigte Unterstützung kann durch einen automatisch nachgeladenen Loader erfolgen (etwas langsamer) oder durch einen speziell modifizierten Kernal (Kann auf der 64HDD-Homepage günstig erworben werden, und ist eigentlich zu empfehlen). Transferraten > 30kb/s sind hiermit ohne weiteres erreichbar, was einem weitere Anwendungsbereiche wie Audio- und Videostreaming eröffnet.

Umbau einer 1541 zur 64HDD

Nachdem man sich an das neue Speichermedium gewöhnt hat und die Vorteile zu schätzen gelernt hat will man es eigentlich auch auf Parties mitnehmen. Dazu jedoch immer einen kompletten PC mitzuschleppen ist nicht die optimale Lösung (auch neben einem C64 Setup ist sowas reichlich sperrig). Am besten ist es man verändert den gewohnten Anblick so wenig wie möglich, was liegt also näher einen PC in ein 1541 Gehäuse zu zwängen.
Wichtigstes Werkzeug ist eine Laubsäge zum groben Aussägen der Anschlüsse für das Mainboard. Die Feinarbeit erfolgt dann mit einer Feile. Für die Verschraubung empfiehlt es sich M3-Senkkopfschrauben zu verwenden. Dazu mit einem Versenker die Bohrlöcher nachbearbeiten. Worüber man sich zuerst Gedanken machen sollte ist das Mainboard das in das Gehäuse soll. Nur wenige haben das passende Format. In meinem Fall hatte ich ein MSI Board übrig, mit einer Breite von 19cm passt es exakt in das leere Floppygehäuse. Der Vorteil des Boards, es hat nur 2 PCI Slots und ist damit auch nicht zu lang, so dass noch genügend Platz für das Netzteil bleibt. Zusätzlich ist die Grafikkarte noch onboard. Eine der PCI Slots habe ich mit einer low profile Netzwerkkarte bestückt.
Je nach Prozessortyp ist man in der Bauhöhe mehr oder weniger beschränkt. Bei einem Slot1 Mainboard reicht der Platz für eine 3,5" Festplatte nicht mehr aus. Daher hab ich auf eine alte 2,5" Notebookfestplatte zurückgegriffen und auf der Oberseite des Gehäuses montiert. Für die Frontblende eignet sich eine alte 5,25" Slotblende eines PCs. Es emfpiehlt sich jedoch dort Lüftungslöcher/Schlitze anzubringen, damit für ausreichend Kühlung gesorgt ist. Auf der Rückseite habe ich anstatt des etwas grossen Netzteillüfters 2 kleine Lüfter auf einer PVC-Platte montiert. Für Reset und Powerswitch entsprechend Taster am Gehäuse anbringen und mit den zugehörigen Jumpern auf dem Mainboard verbinden.
Wer sich die Mühe machen möchte kann auch gleich die Dioden und Verkabelung für das XE1541 intern anbringen und eine separate Din Buchse einbauen. Somit kann die 64HDD direkt mit einem herkömmlichen Floppykabel angeschlossen werden (Für die parallele Übertragung ist natürlich weiterhin ein gesondertes Kabel notwendig).
Als Installation empfiehlt sich eine Dualbootvariante, mit der man sowohl DOS als auch Linux (Wegen Dateitransfer über das Netz) booten kann. Normalerweise ist ein Monitor später nicht mehr notwendig, 64HDD lässt sich bequem per autoexec.bat starten, unter Linux kann man per ssh auf die Box zugreifen. Ansonsten sind 9" Schwarzweissmonitore wie sie an Kassensystemen zum Einsatz kommen eine platzsparende und preiswerte Lösung. Mini-TFTs sind natürlich schicker, aber auch wesentlich teurer.

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